Ein Zuhause für die Bienen            - die Beute

Klar, die Bienen brauchen ein geeignetes Dach über dem Kopf. Da wir uns bei BienenWerk mit natürlicher Bienenhaltung beschäftigen, stellen wir Styropor oder Kunststoffbeuten erst gar nicht vor. Das bedeutet natürlich nicht, dass man in ihnen nicht Bienen halten kann, aber diese Beutematerialien passen einfach nicht zur natürlichen Bienenhaltung.

Es gibt viele verschiedene Systeme, manche Beutetypen sind in sich noch einmal modifiziert worden...das erhöht die Komplexität.

Wir wollen hier einige der geläufigsten Beuten vorstellen und die Unterschiede erklären.                             Kurz vorweg: den Bienen ist es relativ egal, in welchem "Holzkasten" sie leben, so lange sie genug Platz und das richtige Klima vorfinden. Für die persönliche Arbeit mit den Bienen kann die Wahl der Beute jedoch sehr entscheidend sein!

Was ist dir wichtig?

  • Wie wichtig ist mir die Einfachheit der Handhabung (Zugang zu den Rähmchen, Brutnest…)?

  • Wie relevant ist das Gewicht der Beute bei der Handhabung?

  • Wie möchte ich imkern: ertragsoptimiert (intensiv), natürlich (extensiv)…

Beuten sollten immer aus unbehandeltem Holz gefertigt werden, um sie später mit geeigneten Lasuren zu schützen.

Die oben abgebildeten Fotos der Beuten stammen - mit freundlicher Genehmigung - von den Bergwinkel-Werkstätten des Behinderten-Werk Mainz-Kinzing e.V. Die Bergwinkel-Werkstätten bieten Menschen mit Behinderung interessante Arbeitsplätze in der Schreinerei, Produktion und Montage. Die Berufsfelder bieten den Mitarbeitern vielseitige Qualifizierungsangebote und Spielraum zur persönlichen Entwicklung. Die Beuten sind sehr gut verarbeitet und ihren Preis wert - und nebenbei unterstützt man die Förderung zur größtmöglichen Selbstbestimmung der Mitarbeiter. Eine tolle Sache!

 

Grob kann man die Beuten wie folgt unterteilen in

 

  • Magazinbeuten (z.B. DNM-, Segeberger-, Langstroht-, Dadant Beute)

  • Bienenkisten, Einraumbeuten, Top-bar hive

  • Warré Beuten

  • Hinterbehandlungsbeuten

  • Klotzbeuten

Magazinbeuten

Magazinbeuten haben alle gemeinsam, dass sie aus oben und unten offenen Holzkisten (Zargen) bestehen (sogenannte Zargen), in die von oben Rähmchen für die Bienenwaben eingehängt werden. Abhängig von der Art der Beute (z.B. Segeberger-, Langstroht-, Dadant Beute) werden mehrere Zargen aufeinandergesetzt.

Unten bildet ein Bodenelement mit Flugloch den Abschluss, nach oben wird die Beute mit einem Deckel abgedeckt. In der/den unteren Zarge(n) befindet sich der Brutraum, darüber befinden sich die Honigräume. Alle Magazinbeuten können alleine stehen, d.h. ein Bienenhaus, wie bei den Hinterbehandlungsbeuten) wird nicht benötigt.

Magazinbeuten arbeiten mit dem Mobilbau, also herausnehmbaren Rähmchen, in die die Bienen die Waben bauen. Dem gegenüber steht der Stabilbau (z.B. bei der Bienenkiste), der über keine herausnehmbaren Rähmchen verfügt.

Der Ursprung der Magazinbeuten geht auf L. Langstroht zurück, der das nach ihm benannte Rähmchenmaß einführte und auch den bee-space – der optimale Abstand zwischen den Waben von ca. 8mm – entdeckt hat.

Welche Art Magazinbeute nun die beste ist, lässt sich in der Regel auch an endlosen Imkertreffen nicht abschließend klären :o). Oft ist es gerade zu Beginn sinnvoll, sich an das Maß des Vereins oder Imkerpaten zu orientieren, um einen Austausch von Rähmchen oder Zargen zu ermöglichen. Darüber hinaus gibt es ganz praktische Überlegungen, wie z.B. das Gewicht der einzelnen Zargen: Eine volle Honigraumzarge kann sehr schwer werden, das Umsetzen entsprechend anstrengend. Bei Dadant sind die Honigraumzargen und Rähmchen deutlich kleiner als die Brutraumzargen/-rähmchen und somit leichter zu handhaben. Nachteil ist aber, dass Brut- und Honigraumzargen nicht einfach wie bei anderen Systemen untereinander ausgetauscht werden können.

 

Ein kleiner Überblick über unterschiedliche Magazinbeuten:

Dadant

Die Dadant Beute geht auf Bruder Adam zurück. Der auffälligste Unterschied ist die unterschiedliche Zargengröße für Brut- und Honigräume. Wie auf dem Bild zu sehen, ist der Brutraum entsprechend groß, pro Beute wird mit nur einem Brutraum gearbeitet. Manche Imker bevorzugen daher einen Brutraum anstatt z.B. zwei, damit das Brutnest beim Arbeiten am Volk nicht unnötig gestört wird. Durch ein Absperrgitter kann - wie bei anderen Systemen auch - verhindert werden, dass die Königin in den Honigraum wandert und dort Waben bestiftet; eine Methode, die gerade bei der natürlichen Bienenhaltung heiß diskutiert wird.

Die Honigräume sind entsprechend leichter und daher einfacher zu handhaben, was auch den Rücken schont. Klarer Nachteil ist, dass Honig- und Brutwaben nicht einfach ausgetauscht werden können und man immer zwei Rähmchen- und Zargenmaße führen muss.

Dadant Beuten haben grundsätzlich keine Pfalz, d.h. die Zargen können verschoben werden, das Quetschen von Bienen wird stark reduziert.

DNM

Die DNM Beuten (=Deutsch Normal Maß) haben eine einheitliche Größe von Brut- und Honigraum - sowie des Rähmchenmaßes - und sind daher einfach gegeneinander austauschbar.

Die Gesamtabmessung der Zargen ist kleiner, dadurch leichter. Es wird in der Regel mit geteilten Bruträumen gearbeitet, was ein Kippen der Bruträume bei der Durchsicht erfordert.

Die Betriebsweise orientiert sich an der Schichtenbeweglichkeit, wogegen Dadant für die Einraum-Betriebsweise  steht. Schichtenbeweglichkeit bedeutet die Möglichkeit, Zargen untereinander auszutauschen.

DNM geht auf der Versuch zurück, ein einheitliches Beutensystem für Imkereien zu schaffen. Leider wurde das System aber immer wieder modifiziert, sodass diese Idee nicht ganz aufgegeangen ist.

Zander

Auch Zander verfügt über eine einheitliche Größe von Brut-, Honigraum und sind daher einfach gegeneinander austauschbar. Die Gesamtabmessung der Zargen ist größer als bei DNM und damit etwas schwerer. Es wird in der Regel mit geteilten Bruträumen gearbeitet, was ein Kippen der Bruträume bei der Durchsicht erfordert.

Die Betriebsweise orientiert sich, wie auch bei DNM, an der Schichtenbeweglichkeit.

Bienenkisten, Einraumbeuten, Top-bar hive

Es gibt neben den Magazinbeuten viele weitere Alternativen, die sich vor allem an die natürliche und wesensgerechte Bienenhaltung richten. Die Ansätze sind unterschiedlich: es geht teilweise um Stabilbau, Vorgabe durch Wachstreifen anstatt Rähmchen, dem System Trogbeute und so weiter. Näheres hierzu werden wir später hier veröffentlichen.

 

Nebestehend ist eine Top-Bar Hive Beute abgebildet, die sich ebenfalls and dem Prinzip der Trogbeute oreintiert. Es werden keine Rähmchen, sondern ausschließlich Oberträger eingesetzt, an die die Bienen die Waben bauen.

Hinterbehandlungsbeuten

Dieser Beutentyp erfordert ein Bienenhaus, da die einzelnen Beuten nicht solitär aufgestellt werden können. Hinterbehandlungsbeuten waren in den 7oer Jahren im deutschsprachigen Raum sehr populär und werden heute nur noch selten z.B. für die Wanderimkerei eingesetzt. Vorteil dieses Systems ist der einfache Zugriff zu den Völkern und die Möglichkeit Völker zu stapeln. Nachteilig ist die mangelnde Flexibilität in Bezug auf das Volkswachstums und die Honigernte. Zusätzlich wird davon ausgegangen, dass sich Bienenkrankheiten und Parasiten in den Bienenhäusern stärker verbreiten können.

 

 

Klotzbeuten

Klotzbeuten, die teilweise auch Klotzstülper genannt werden, gehören zu den ältesten von Menschen hergestellten Bienenbehausungen und lehnen sich an natürliche Bienenbehausungen wie leere Baumhöhlen an. Heute werden diese Beuten nur noch selten eingesetzt. Teilweise sind die Klotzbeuten sehr schön geschnitzte, kleine Kunstwerke!

Welche Beute passt zu dir?

Es ist nicht entscheident , welche Beute du verwendest, mit allen Systemen lässt sich der gewünschte Erfolg bei der Bienenhaltung erreichen. Magazinbeuten stehen dabei eher für größere Honigerträge, aber auch mit diesen lässt sich natürlich imkern (siehe unter Natürliche Bienenhaltung).

Entscheidest du dich für BienenBoxen, Warré Beuten, Bienenkiste oder Tob-Bar Hive bist du automatisch näher an der wesensgemäßen Imkerei. Wir von BienenWerk arbeiten mit Dadant und schaffen auch den Spagat zwischen natürlicher Bienenhaltung und den Vorteilen der Magazinbeuten: unter anderem durch Fütterung mit ausschließlich eigenem Honig und dem Verzicht von Mittelwänden.

Ab diesem Frühjahr kommt eine modifizierte Dadant Beute zum Einsatz, um zusätzlich zu den Bienen eine Schar von Bücherskorpionen einziehen zu lassen... mehr dazu gibt es demnächst!