Hochsommer - Beste Zeit, die Weichen auf Winter zu stellen. 

 

Es scheint etwas paradox zu sein, aber wenn wir in langen sommernächten Draußen sitzen, steht für die Bienen der Winter vor der Tür.

Sommer, Urlaub, Freibad und Nächte voller Sternschnuppen, die wir am liebsten auf der Terrasse oder im Garten beim BBQ oder mit einem guten Wein verbringen. Während wir Menschen ganz auf Hochsommer programmiert sind, bereitet die Natur sich auf den Winter vor.

Wir erkennen diese Zeit daran, dass nach der Sommersonnenwende die Tage wieder kürzer werden, das Trachtangebot für die Bienen - gerade in Jahren mit früher Tracht - langsam versiegt und wir uns sogar manchmal mit plötzlichen Trachtabrissen konfrontiert sehen. Letztere können in Verbindung mit Schlechtwetterperioden für die Bienen durch Nahrungsmangel und geringer Vorräte (gerade nach dem Schleudern), gefährlich werden.

Spätestens nach dem Schleudern der letzten Honigrähmchen und mit abnehmender Tracht müssen die Bienen - und damit wir selber - auf den Winter vorbereitet werden. Leider haben wir nie eine Garantie dafür, dass unsere Völker den Winter überstehen, aber wir können vieles für die Bienen tun, damit sie beste Voraussetzungen haben.

Grundsätzlich gibt es drei Parameter, die eine erfolgreiche Überwinterung entscheidend beeinflussen:

Die Volksstärke

Damit ein Volk gute Chancen hat über den Winter zu kommen, muss es stark sein.

Neben dem Aspekt eines gesunden Volkes ist die Anzahl der Bienen im Volk entscheidend. Das Bienenvolk besteht im Winter aus den sogenannten Winterbienen, die im Gegensatz zu den Sommerbienen mehrere Monate lang leben.

Die Bienenkönigin stellt zum Herbst hin bis ins Frühjahr die Eiablage ein, somit werden keine weiteren Bienen über den Winter schlüpfen. Ein Volk, das zu klein ist, kann sich also nicht aus eigener Kraft über die kalte Jahreszeit verstärken. Auch in der Wintertraube stirbt ein Teil der Bienen, das hat die Natur bereits berücksichtigt.

 

Fällt jedoch die Anzahl der Bienen unter einen kritischen Punkt, setzt sich eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang: Die Bienen rotieren innerhalb der Wintertraube von außen nach innen, so dass alle Bienen immer wieder aufgewärmt werden – die Königin sitzt natürlich in der Mitte. Je größer die Wintertraube ist, umso besser kann die Wärme gehalten werden. Wird die Wintertraube zu klein, bricht die Wärmeregulation langsam zusammen, die Bienen müssen mehr Energie durch Bewegung aufbringen um die Temperatur zu halten.

Für Wärme braucht man Energie, am besten in Form von Futtervorräten. Das Bienenvolk muss immer mehr Futter verbrennen. Doch je kleiner die Wintertraube wird, umso schwieriger wird es, das Futter auf Temperatur und damit verwertbar zu halten.

Das Unglück nimmt so seinen Lauf: mehr Aktivität, Wärmeverluste, Futter, das nicht mehr verfügbar ist und eine steigende Anzahl an sterbenden Bienen – das Volk geht ein.

 

Der Imker muss daher früh genug im Jahr entscheiden, ob ein Volk stark genug ist. Am Beispiel Dadant geht man von mind. 7-8 besetzten Waben aus, damit ein Volk überwintern kann. Sollte ein Volk zu schwach sein, ist das zu dieser Zeit noch kein Problem, denn Völker können einfach zusammengelegt werden, so kann aus zwei schwachen Völkern ein Starkes werden.

Wabenausbau – wie schnell?

 
Full house!
So schön dicht besetzte Wabengassen sind ein gutes Zeichen für genug Bienen in der Beute.
 

Die einfütterung

 

Im Winter können die Bienen kein Futter beschaffen, höchstens der Imker kann mit einer sogenannten Notfütterung regulierend eingreifen, diese sollte jedoch wirklich aus der Not heraus angestoßen werden und nicht Standard sein. Egal wie ein Volk nach der Honigentnahme (aus Sicht der Bienen ein dreister Diebstahl…) aufgefüttert wird, also mit eigenem Honig, Zuckersirup oder anderen Futtermitteln, das Volk braucht genug Vorräte, um es bis zur nächsten Blüte zu schaffen.

 

Die Frage ist also: was ist „genug“?

Wie viel Futter die Bienen brauchen und einlagern, kann man einfach über das Wiegen feststellen, man braucht dazu lediglich ein Kofferwage und hebt die Beute an einer Seite der Beute leicht an. Verdoppelt man den Wert, hat man das Gesamtgewicht. Diesen Wert vor der Einfütterung unbedingt auf der Stockkarte notieren, er ist unsere Referenz für die nachfolgenden Kontrollen! Man kann nun nach dem Einfüttern kontrollieren, wie viel Futter die Bienen eingelagert haben.

 

Als Faustformel gilt bei uns pro Brutraum 15-20 kg Honig, bzw. bei der Fütterung mit Zucker-Sirup im Verhält 3:2, basierend auf einem Dadant-Brutraum mit 9-10 Waben. Beim Füttern mit eigenem (!) Honig gibt es eine Wasserzugabe nur dann, wenn der Honig kristallisiert ist. Füttert man Raffinadezucker (bitte keinen Rohrzucker o.ä. verwenden), so lautet das Verhältnis Zucker zu Wasser 3:2.

Mehr Wasser führt dazu, dass die Bienen auch mehr Energie aufwenden müssen, um den Sirup einzulagern. Immer bedenken, dass die Bienen für das Umarbeiten von Futter auch schon Energie benötigen, die gefütterte Menge entspricht also nicht der eingelagerten Menge!

 

Der Futtersirup kann mit speziellen Bienentees auf Kräuterbasis angereichert werden. Dies soll zu einer besseren Annahme des Futters führen, bzw. die Bienengesundheit fördern. Das Auskochen und die Zugabe von Thymiantee ist eine weitere Möglichkeit und soll durch die ätherischen Öle des Thymians u.a. den Putztrieb der Biene fördern und sich so positiv auf den Varroabefall auswirken. 

 

Das Gewicht der Beute sollte früh im neuen Jahr (Winter) - vor allem aber im Frühjahr - vorsichtig kontrolliert werden um ggf. eine Notfütterung durchführen zu können. Aber Vorsicht: je nach Volksstärke und Temperatur kann es passieren, dass ein Volk trotz versuchter Notfütterung einfach verhungert, weil es aus der Wintertraube heraus nicht an das Futter kommt!

Wir haben schließlich auch gerne genug Essen im Haus!
 
Durch vorsichtiges Anheben einer Seite der Beute und multiplizieren des Wertes erhält man das Gesamtgewicht. Die Werte werden in der Stockkarte notiert - und zwar bereits vor der ersten Einfütterung.
So lässt sich leicht der "Futterstatus" in der Beute kontrollieren.
Teure Spezialwaagen sind unnötig, diese Kofferwaage für unter EUR 10.- reicht völlig aus.
Zucker + Wasser ist nicht gleich Sirupmenge!
3 kg Zucker und 2 kg Wasser ergeben 5 Liter fertigen Sirup... möchte man zumindest meinen.
In Wirklichkeit erhalten wir aus diesem Mischungsverhältnis jedoch nur ca 3.8 Liter Sirup. Der Grund hierfür ist die sogenannte Volumenkontraktion; da kommt einem glatt der Chemieunterricht wieder in den Sinn...
 

Die Varroabehandlung

Kurz vorweg: wir gehen hier von der traditionellen Behandlung der Varroa mit chemischen Mitteln aus. Die Bekämpfung durch Bücherskorpione ist ein ganz anderes Thema.

Es stehen verschiedene Mittel zur Verfügung, die zur Bekämpfung der Varroa herangezogen werden. Da wir keine Werbung für Einzelmittel der Pharmaindustrie machen möchten, beschränken wir uns auf zwei wirksame Einzelmittel, die fast jeder kennt: Ameisensäure und Oxalsäure.

 

Die Kombination beider Mittel ermöglicht eine preisgünstige, erprobte und effiziente Methode der Varroabekämpfung. Ganz wichtig: solltet ihr in angepasste Beuten Bücherskorpione eingesetzt haben, so dürfen diese Mittel nicht verwendet werden, da sie neben den Milben auch die Bücherskorpione töten!

Die Kombination beider Präparate beruht auf der Lebensweise der Milben. Damit die Varroa sich vermehren kann schlüpft sie in Brutzellen – bevorzugt von Drohnen – und lässt sich mit der Bienenlarve verdeckeln. Während die Larven heranwachen, schädigt die Varroa bereits die heranwachsenden Bienen.

 

Außerhalb der Brutzelle nutzt die Varroa die Bienen als Wirt und Taxi. Das bedeutet für den Imker, dass er am besten allen Stadien der Varroaentwicklung an den Kragen geht.

 

Und hier liegen die Unterschiede in der Wirkungsweise und Anwendung der Ameisen- und Oxalsäure:

 

Ameisensäure

Die Ameisensäure wirkt  sowohl in den Brutzellen, als auch direkt an den Bienen. Ameisensäure wird immer über Verdunstung angewendet. Am besten ist hierzu ein Nassenheider Verdunster geeignet, aber auch ein Schwammtuch kann verwendet werden.

Beim Nassenheider Verdunster wird die Ameisensäure in einen Behälter gegeben, der diese gleichmäßig auf ein Tuch zur Verdunstung gibt. Direkter Kontakt der Bienen und Rähmchen mit der Säure wird so vermieden.

Bei der Schwammtuchmethode wird die Ameisensäure mittig auf ein handelsübliches Schwammtuch gegeben. Hier muss unbedingt sichergestellt werden, dass unter dem Schwammtuch eine Folie o.ä. liegt und die Säure nicht auf Bienen oder Rähmchen tropfen kann!

 

Achtung: in Deutschland ist nur Ameisensäure mit der Konzentration 60 % ad us. vet. frei verkäuflich und zugelassen, höhere Konzentrationen dürfen nur vom Tierarzt abgegeben werden. Bitte beim Kauf darauf achten, dass die Ameisensäure den Zusatz „ad us.vet.“ trägt, so kann man sicher sein, dass sie für Tiere geeignet ist.

Anwendung der Ameisensäure:

  1. Ameisensäure wird in der Beute verdampft, egal ob man einen gekauften Verdunster oder die Schammtuchmethode anwendet.

  2. Die Verdunstung sollte möglichst gleichmäßig erfolgen.

  3. Die Behandlung mit Ameisensäure erfolgt in Intervallen, d.h. dass mehrere Behandlungen in einem definierten Zeitraum erfolgen müssen; in der Regel sind das 2-3 Behandlungen im Abstand von 7-10 Tagen.

  4. Als Faustformel für die Dosierung gilt 3 ml bei Großraumbeuten, sonst 2 ml pro Brutraumwabe.

  5. Die Außentemperatur sollte zwischen 12-25°C liegen.

 

Während eine Anwendung unter 12°C wenig effizient ist, da der Wirkstoff nicht in einer ausreichend hohen Konzentration verdunstet, kann eine zu hohe Außentemperatur dazu führen, dass die Bienen fluchtartig die Beute verlassen. In diesem Fall muss das Flugloch schnell geöffnet, bzw. das Verdunstungsmedium entnommen werden.

Anwendung: Schwammtuch.
 
Ein handelsübliches, trockenes Schwammtuch wird auf eine Folie gelegt, die genau abgemessene Ameisensäure in die Mitte gegeben. Ein Verteilen ist nicht nötig, die Säure verteilt sich von selbst.
Anwendung: Verdunster
 
Professioneller geht's es mit dem Nassenheider Verdunster. So wird die Säure sehr gleichmäßig über einen längeren Zeitraum verdampft

Oxalsäure

Die Oxalsäure, seltener auch Kleesäure oder Ethandisäure, ist eine anorganische Säure die über ein Trägermedium – meistens eine Saccharoselösung – für die Verwendung in der Beute nutzbar gemacht wird. Während die Ameisensäure direkt aus der Flasche abgemessen und genutzt werden kann, muss bei einer Oxalsäurebehandlung erst eine Lösung (sog. Oxalsäuredihydrat 3.5% ad us. vet.) hergestellt werden. Durch die Zucker-Wasser Lösung wird eine bessere Verträglichkeit, aber auch eine höhere Wirksamkeit erreicht.

Die wichtigsten Unterschiede zur Ameisensäure sind:

  1. Oxalsäure wird nicht verdampft und selten versprüht wird, sondern meistens direkt auf die Bienen, genauer in die besetzten Wabengassen, getropft wird. In Deutschland ist nur das Tröpfeln erlaubt.

  2. Die Anwendung der Oxalsäure erfolgt nur einmalig, mehrmalige Anwendung kann zu hohen Bienen und Völkerverlusten führen.

  3. In verdeckelter Brut zeigt die Oxalsäure keine Wirkung.

  4. Die Oxalsäurelösung wirkt nur bei direktem Kontakt mit den Bienen, d.h. das Lösung, die auf die Wabenschenkel oder den Boden tropft, für die Behandlung verloren ist. Es muss also sicher gestellt werden, dass beim Eintröpfeln möglichst viele Bienen mit der Lösung in Kontakt kommen.

  5. Die Außentemperatur liegt bei der Behandlung zwischen 3-10°C.

 

Die oben genannten Unterschiede zur Ameisensäure zeigen, warum die Oxalsäure nur spät im Jahr zum Einsatz kommt: Brutfreiheit haben wir nur zum Winter, die Bienen sitzen in dieser Zeit eng zusammen (Wintertraube) und die Außentemperatur macht den Einsatz von Ameisensäure ineffizient. Und die Oxalsäure hat noch einen Vorteil: die einmalige Anwendung führt zu einem Milbenfall von 4-5 Wochen!

Kontroverse Diskussionen um die Varroa

Rational betrachtet ist die Varroa ein ganz normaler Parasit, der es den Bienen schwer macht. Die Natur hat uns gezeigt, dass sie – bis auf ganz wenige Ausnahmen – immer einen Weg findet, um sich vor solchen Schädlingen zu schützen und ein Geichgewicht herzustellen.

 

Problem ist, dass der Mensch aus verschiedensten Gründen versucht, die Bienen so zu züchten, dass sie einfach in der Haltung sind (Stichworte sind z.B. Schwarmträgheit und Sanftmütigkeit). Leider werden bei dieser Selektion aber auch gewünschte Merkmale wie Aktivität (oft als Aggressivität interpretiert) und der Putztrieb vermindert. Hinzu kommen Haltungsweisen der Bienen, die die Vermehrung der Varroa begünstigen.

Es gibt hierzu eine interessante, wenn auch radikale Theorie: Wenn alle Imker in Europa gleichzeitig die Behandlung der Varroa mit chemischen Mitteln einstellen würden, dann würde sich in einem ersten Schritt durch Vermehrung der Varroa und den Zusammenbruch vieler Völker der Bestand an Völkern stark reduzieren. Wahrscheinlich werden von den überlebenden Völkern manche bessere Verträglichkeit oder sogar Resistenzen gegen die Varroa entwickeln. Aus diesem Pool würden die Bienen als Gesamtpopulation gestärkt hervorgehen.

Das wäre genau der Ansatz, den die Evolution schon immer vorangetrieben hat.