• Sascha

Der Bien – oder viele kleine Individualisten?

Aktualisiert: 9. Nov 2017

Wenn wir an Bienen denken, dann haben wir in der Regel ein Bild vor Augen: ein beeindruckender Haufen von unzähligen Bienen, der als Volk oder traditionell #Bien bezeichnet wird.



In der Beute schon beeindruckend ist ein solcher Schwarm in der Luft umso mehr faszinierend. Unweigerlich stellt sich einem die Frage, wie die Bienen eigentlich organisiert sind, wie sie sich „absprechen“ und kommunizieren. Einiges ist hierzu durch Forschung an Bienen bekannt (und vieles noch mysteriöser geworden), aber eine Annahme scheint wie in Stein gemeißelt: die einzelne Biene bedeutet nichts, allein durch das Zusammenleben im Bien – diesem immerhin fast basisdemokratischen #Superorganismus - macht ihr Leben Sinn. Geben wir zu diesem Gedanken noch die Schwarmintelligenz hinzu, so ist die einzelne Biene nichts weiter als ein ziemlich dummes Insekt. Es ist natürlich richtig, dass die einzelne Biene nicht überlebensfähig ist, sie braucht die Gemeinschaft, zum Schutz und um ihre vielfältigen Aufgaben innerhalb des Bienenlebens zu erfüllen.


Aber können wir deshalb der einzelnen Biene jede Art von #Individualität absprechen?

Auch hier zeigt die Forschung ein anderes, völlig überraschendes Bild der einzelnen Biene. Peter Wohlleben beschreibt in seinem Buch (Wohlleben, 2016) ein Experiment von Professor Randolf Menzel und seinen Mitarbeitern, bei dem die Trachtquellen der Bienen nacheinander entfernt wurden, nachdem sich zurückkehrende Bienen neue Koordinaten für Futterquellen von ihren Kolleginnen haben geben lassen. Daraufhin geschah etwas Erstaunliches: manche Bienen flogen erneut zur ersten Futterquelle, die nicht mehr

vorhanden war um danach nicht zum Stock, sondern direkt einer weiteren Quelle zu fliegen, die kommuniziert worden war. Über den Schwänzeltanz wurde den Bienen nur die Route vom Stock ausgesehen mitgeteilt, nicht von der ersten zur zweiten Quelle. Menzel schließt daraus, dass diese Bienen die vorhandenen Informationen aktiv genutzt und über deren Verwendung reflektiert haben (Klein, 2015) - sie haben nachgedacht. Diese Tatsache bedeutet, dass Bienen auch eine zumindest einfache Wahrnehmung in Bezug auf die Zukunft haben und sich selber wahrnehmen können.


Wohlleben kommt in seinem Buch zu dem Schluss, dass die einzelne Biene viel mehr ist, als ein dumpfes Werkzeug in einem Superorganismus, den wir gerne als Bien abtun, denn “die Biene weiß, wer sie ist” (Klein, 2015).

Eine faszinierende Erkenntnis über die Biene, die die Gesamtleistung eines Bienenvolkes für uns noch unfassbarer erscheinen lässt!


Quellen und Buchtipps:

Wohlleben, Peter (2016) “Das Seelenleben der Tiere”, 9. Auflage. Ludwig Verlag, München. Klein, Stefan (2015) "Die Biene weiß, wer sie ist", ZEITmagazin Nr. 2/2015. Link: http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/02/bienen-forschung-randolf-menzel


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