• Sascha

Sanftmütige Bienen - das wichtigste Ziel?

Aktualisiert: 28. Nov 2017

Das Thema #Sanftmütigkeit bei Bienen taucht relativ schnell auf, wenn man mit der Bienenhaltung begonnen hat. Sanftmütige Bienen sind demnach Völker, die bei Arbeiten am Volk mehr oder weniger ruhig auf den Waben sitzen, nicht stark auffliegen und auch nicht zum Angriff übergehen und stechen.


Sind die Bienen aufgeregt und greifen an, gelten sie gemeinhin als aggressiv; eine Eigenschaft, die bei der Arbeit am Volk eher unangenehm ist. Was steckt eigentlich in der

Aufteilung sanftmütig und aggressiv, Eigenschaften, die auch in Stockkarten häufig über das Jahr dokumentiert werden?


Zuerst einmal sollte sich jeder Bienenhalter und Imker fragen, ob das Verhalten der Bienen nun wirklich an dem Volk selber liegt, oder an einem selbst.

Wie schon im Blog beschreiben und auch im Forum thematisiert, liegt ein aufgeregtes bis aggressives Verhalten der Bienen häufig an externen Faktoren – und damit an uns.

Stimmt das Wetter, ist es regnerisch, stürmisch oder gar gewittrig? Sind wir an der Beute ruhig und entspannt, oder verhalten wir uns hektisch? Sind wir selber gestresst, unsicher oder haben gar Angst? Alle diese Faktoren können auch die ruhigsten Bienen aus der Fassung bringen. Wenn dann noch ein starker Parfüm- oder Alkoholgeruch hinzukommt haben wir so ziemlich alles dafür getan, dass wir die Bienen schrecklich nerven.


Aber auch wenn von unserer Seite alles optimal vorbereitet und durchgeführt wurde, sind die Bienen manchmal unausstehlich: sie fliegen beim Öffnen der Beute trotz Rauchstößen auf, summen in einem hohen Ton und stechen im schlimmsten Fall. Die Bienen im Volk kommen in der Regel von einer Königin, die mit einem gleichbleibenden Samenvorrat ausgestattet ist, demnach verfügen die Bienen über die gleiche genetische Grundausstattung. Wenn nun (vereinfacht gesagt) die Kombination Königin/Drohn genetisch „aggressive“ Merkmale hervorbringt, haben wir das Problem.

Aber halt mal...

Aggression […] ist eine feindselig angreifende Verhaltensweise eines Organismus. Sie ist ein biologisch in Tieren und Menschen verankertes Verhaltensmuster zur Verteidigung oder Gewinnung von Ressourcen und zur Bewältigung potenziell gefährlicher Situationen.“ (Wikipedia, 2017). Bienen können sich also durchaus aggressiv verhalten, jedoch tun sie das wahrscheinlich um sich vor einer potentiellen Gefahr (=Mensch) zu verteidigen und/oder um die Gewinnung von Ressourcen (=Nahrung in Form von Honig, Pollen etc.) sicher zu stellen. Und es ist tatsächlich so, dass aggressive Bienen oftmals eine höhere Sammelleistung bringen. Aus Sicht der Bienen also alles o.k.

Wir haben die Wahl mit dem Volk so zu leben wie es ist oder die Genetik des Volkes zu verändern. Die Methode zu Letzterem ist rabiat: die Königin wird aus dem Volk entfernt, also getötet und eine neue herangezogen, bzw. eingesetzt; das Volk wird in der Imkersprache #umgeweißelt. Die nachfolgenden Bienen haben dann hoffentlich ein anderes Verhaltensmuster. Diese Methode ist gängige Praxis, jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er so einen intensiven Eingriff in das Volk vornehmen will und ob dies aus der Sicht des Volkes vertretbar ist.

Wir haben leider die Angewohnheit, Verhalten in Gut und Böse zu kategorisieren und unsere Interessen über die der Natur zu setzen – nicht alles was für uns richtig erscheint, muss für das Volk richtig sein.

Die Arbeit an einem aggressiveren Volk ist in der Tat anstrengender und mit einem größeren Aufwand in Form von Stichschutz verbunden. Vielleicht ist aber auch ein Volk wie dieses eine gute Möglichkeit, Bienen aus einem anderen Blickwinkel zu beobachten und zu lernen.

#BienenWerk

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