Waben "Lesen" - was Sie euch auf den ersten Blick verraten

 

Verdeckelte Arbeiterinnenbrut, Drohnenbrut, verdeckelter Honig, bestiftete Zellen, Maden… da kann einem sprichwörtlich der Kopf summen.

Gerade beim Start mit eigenen Völkern haben Anfänger oft Probleme, die Waben richtig zu „lesen“, also zu erkennen, was sie gerade vor sich haben. Die Durchsicht der Waben und Beobachtung, was sich darauf gerade abspielt, gibt uns jedoch die wichtigsten Informationen überhaupt, um Aussagen über den Zustand des Volkes treffen zu können.

Natürlich kann man die Durchsicht am besten direkt an der Beute zeigen, wir möchten aber anhand einiger Bilder hier einen kurzen Überblick geben, auf was man achten sollte und wie man die Waben „ließt“.

 

Brutwaben

Die Brutwaben sind die Kinderstube der Bienen und der Dreh- und Angelpunkt, wenn es um Volksstärke und Nachwuchs geht. Auf den Brutwaben wird immer nach Brut „in allen drei Stadien“ gesucht, also

  • Stifte (Stadium 1),

  • Maden (Stadium 2) und

  • verdeckelte Brut (Stadium 3).

 

Auf der Stockkarte wird das Vorhandensein aller Stadien oft nur als „1,2,3“ notiert.

 

Gerade für den Anfänger ist es jedoch oft schwer, die Stadien zu erkennen, daher hier eine kurze Übersicht:

 

Bestiftete Zellen

Auf dem Bild seht ihr frisch bestiftetet Zellen, in schönen neuen, weißen Brutwaben, die die Bienen selbst – also ohne Mittelwand – gebaut haben. Die Stifte (oder Eier) sind sehr klein und liegen meistens sehr geordnet in der Brutzelle.

Bestiftete Brutwaben - die kleinen Stifte sind gut zu erkennen.

Gerade mit einem Schleier vor dem Gesicht sind diese kleinen Stifte oft schwer zu erkennen. Solltet ihr den Schleier nicht vom Gesicht nehmen wollen, hilft es, die Brutwabe vorsichtig gegen das Licht zu halten und hin und her zu kippen. Wenn man Stifte findet, ist das fast immer ein sicheres Zeichen dafür, dass die Königin sich irgendwo im Volk herumtreibt, das Volk also weiselrichtig ist, denn das Stadium Stift hält für alle Arbeiterinnen, Drohnen und auch Königinnen nur drei Tage – danach verwandeln sich die Stifte in sogenannte Rundmaden und gehen somit in das Larvenstadium über. Wer genauer hinsieht kann auch erkennen, wann die Zelle bestiftete wurde: am ersten Tag steht der Stift, am zweien Tag neigt er sich und am dritten Tag liegt er auf dem Zellenboden.

 

Maden

Das Larvenstadium beginnt ab dem vierten Tag als Rundmade und geht später in die Steckmade über. Abhängig davon, was aus der Larve einmal werden soll, dauert dieses Stadium unterschiedlich lange, nämlich fünf Tage bei einer Königin, neun Tage bei einer Arbeiterin und ganze elf Tage bei einem Drohn. Die Larven sind in der Regel sehr gut zu erkennen wie sie immer dicker werden und im Futtersaft liegen.

 

Nach dem Larvenstadium und der Vorpuppe, verpuppt sich die Larve schließlich vollständig und die Brutzelle wird verdeckelt, d.h. mit einer Schicht Wachs verschlossen. Die Art der Verdeckelung zeigt deutlich, was sich in der Zelle darunter befindet:

Verdeckelte Arbeiterinnenbrut

Arbeiterinnenbrut ist durch einen hellbraunen, nicht transparenten Deckel zu erkennen, der kaum erhaben ist.

Verdeckelte Arbeiterinnenbrut -
in der Mite sitzt die Königin.

Verdeckelte Drohnenbrut

Drohnenbrut weißt hingegen eine deutliche Wölbung auf und ist leicht zu erkennen, die Brutzellen sind etwas größer, damit die moppeligen Drohnen genug Platz haben.

Drohnenbrut - vorgewölbte Zellen mit viel Platz für die moppeligen Drohnen.

Wenn‘s etwas mehr sein soll – Spielnäpfchen und Nachschaffungszellen

Spielnäpfchen und Nachschaffungszellen sind ebenfalls sehr einfach zu erkennen. Während Spielnäpfchen wie kleine, runde Kugeln aussehen und meistens ein nach unten gerichtetes Loch haben, sowie am Rand oder unten an der Wabe zu finden sind, sind Nachschaffungszellen lang gezogene Königinnenzellen, die der Nachschaffung einer Königin dienen.

Rechts  sieht man ein  leeres Spielnäpfchen, also kein Grund zur Sorge. Sobald das Spielnäpfchen bestiftet ist, kann dies die Schwarmstimmung des Volkes anzeigen.
 

Die Nachschaffungszellen liegen meistens auf den Brutwaben und treten in der Regel nicht alleine auf. Sie zeigen unmissverständlich an, dass sich das Volk in Schwarmstimmung befindet, oder aber der Brutableger bald über eine neue Königin verfügt.

Links sind drei Nachschaffungszellen zu sehen. Die normale, verdeckelte Arbeiterinnenbrut wird das selbe Alter haben.
In wenigen Tagen schlüpfen die Königin-Anwärterinnen!

Honigwaben

Zellen, in denen sich reifer Honig befindet, treten natürlich im Honigraum, aber auch auf Brutrahmen als sogenannter Futterkranz -  in Verbindung mit Pollen – auf. Der Wachsdeckel auf Honigwaben erscheint glatter und etwas transparent und unterscheidet sich somit deutlich vom Aussehen der verdeckelten Brut.

Verdeckelter Honig in einer Wabe, die nach dem Winter ausgetauscht werden muss.

Wie alt ist die Wabe?

Zuletzt sagt uns auch das Aussehen und die Farbe der Wabe etwas darüber, wie alt sie ist. Frisch gebaute, neue Waben sind fast weiß und transparent. Ältere Waben gehen ins dunkelbraune über. Da sich die Färbung durch Ablagerungen und Verunreinigungen ergibt, sollte man diese am Rand des Brutnestes auslaufen lassen und dann, wenn die Bienen sie nicht mehr oder nur noch wenig verwenden, austauschen und einschmelzen.