Aus eins mach zwei...oder drei... oder vier?

 

- Wie ihr eure Völker über Die Ablegerbildung vermehrt.

Die meisten Neueinsteiger in die Imkerei fangen mit drei oder zumindest zwei Völkern an. Natürlich kann auch ein Volk gehalten werden, denn das Volk an sich, also der Bien, ist autark. Problematisch wird es jedoch, wenn mit diesem einen Volk etwas nicht stimmt: plötzliche Weisellosigkeit, die Tendenz zum Kümmerling, Bienenkrankheiten, die eine Sanierung erfordern usw. 

 

Wenn in dieser Situation nun nur ein Volk zur Verfügung steht, ist der Austausch von z.B. Waben, Bienen oder beidem nur sehr schwer zu organisieren. In der Regel muss dann auf einen Imkerkollegen zurückgegriffen werden, was oft Kosten und einen zeitlichen Aufwand erfordert und im schlechtesten Fall sogar Krankheiten übertragen kann. Daher hört man oft von Imkern den Satz “Ein Volk ist kein Volk”.

 

Die Lösung zu mehr Völkern bieten die Bienen selbst, denn wir müssen kaum etwas dafür tun, ausser etwas Geduld aufbringen. Es gibt verschiedene Wege, seine Völker zu erweitern. Wir beschreiben hier die Ablegerbildung über eigene Brutwaben, den sogenannten Brutableger.

 

Für den Ableger benötigt ihr lediglich ein starkes Volk und einen Ablegerkasten, den ihr kaufen, oder ganz schnell selber zusammenbauen könnt - hier findet ihr eine Materialliste und Anleitung!

 

Bevor es losgeht müssen ein paar Rahmenbedingungen stimmen: es ist dauerhaft über 10°C oder besser wärmer, ihr habt ein starkes Volk mit ausreichend Brut in allen Stadien und einen Platz für das neue Volk. Eine weitere Beute sollte zu diesem Zeitpunkt zumindest schon bestellt oder im Eigenbau sein. Es gibt verschiedene Ansätze, wie man einen Ableger bildet. Die Methode, mit der wir  - und anscheinend auch die Bienen - sich am wohlsten fühlen, beschreiben wir nun.

 

Und so geht’s...

 

  1. Stockmeißel, Smoker und der Ablegerkasten stehen bereit. Das Flugloch des Ablegerkasten ist verschlossen. Temperatur mind. 10°C und es gibt ausreichend Tracht - im Idealfall befinden wir uns Mitte April bis Ende Mai. Im Ablegerkasten befindet sich ein Rähmchen mit Mittelwand, oder zumindest einem Anfangsstreifen.

  2. Die Beute wird geöffnet und gut eingeräuchert. Ihr seht die Brutwaben durch und sucht nach mindestens einer, besser zwei Waben, die Brut in allen Stadien (Stifte, Maden, verdeckelte Brut) hat. Frische Stifte auf einem mind. handflächengroßen Areal sind essentiell, denn nur so können die Bienen Nachschaffungszellen bilden. 

  3. Wenn ihr eine geeignete Wabe(n) gefunden habt, checkt sofort, dass die Königin nicht aufsitzt!

  4. Die Wabe(n) wandert nun mit den aufsitzenden Bienen in den Ablegerkasten und zwar direkt an die Wand des Kastens - Deckel drauf.

  5. Neben die Wabe kommt das Bruträhmchen mit Mittelwand oder Anfangsstreifen.

  6. Zusätzlich hängt ihr eine Futterwabe mit aufsitzenden Bienen neben den Brutrahmen. Die Reihenfolge lautet also mind. einen Brutrahmen aus dem Spendervolk - Brutrahmen mit neuer Mittelwand/Anfangsstreifen - Futterwabe. Ihr habt so ausreichend “Personal” mit umgezogen.

  7. Ist die Futterwabe nicht prall gefüllt, kann ein kleiner Ziplockbeutel mit Futter gegeben werden.

  8. Der Ablegerkasten wandert nun in den Keller oder an einen schattigen Platz und wird mind. 24 Stunden nicht geöffnet, Stichwort “Kellerhaft”. Nach 6 Stunden den Ablegerkasten nur so weit öffnen, dass mit einer Sprühflasche etwas Wasser in den Kasten gesprüht werden kann. Bitte unbedingt darauf achten, dass der Gitterboden des Ablegerkastens nicht verdeckt wird, sonst verbrausen die Bienen!

  9. Nach dieser Zeit kommt der Ablegerkasten an seinen Standort nach draußen. Sucht euch ein bis zwei Äste mit Blättern oder Tannennadeln, die das Flugloch etwas verdecken.

  10. Nun kann das Flugloch geöffnet werden und zwar nur 1 cm.

  11. Jetzt heißt es 8 Tage warten und geduldig sein...

 

Natürlich gibt es nun Fragen, die ihr gerne im Forum stellen könnt (die Antwort kommt schnell). 

 

Aber hier das Wichtigste vorweg:

 

  • Das Thema Kellerhaft: es wird immer wieder diskutiert, ob die Kellerhaft notwendig ist. Die Theorie dahinter ist, dass die Bienen in der Zeit ihre alte Beute vergessen und nicht wegfliegen - das stimmt so jedoch nicht, denn Bienen sind weniger vergesslich als wir denken. Es werden also - wenn der neue Aufstellort weniger als 4-5 km entfernt ist - Bienen zurückfliegen. Das macht jedoch nichts. Unsere Erfahrung ist, dass die Bienen in der Kellerhaft zuerst aufbrausen, sie merken, dass keine Königin da ist, dann aber auch wieder ruhiger werden und nach dem Öffnen des Fluglochs nicht so stark rausquellen.

  • Die Zweige vor dem Flugloch dienen dazu, die Bienen zu verwirren, den dieses Hindernis kannten sie vorher nicht. Man kann beobachten, dass viele Bienen in den Ästen sitzen bleiben und scheinbar “überlegen”. Dann fliegen Sie auf und orientieren sich neu.

  • In diesem Zusammenhang hört man auch davon, Bienen beim Transport ordentlich durchzuschütteln, damit sie merken, dass sie umziehen. Hiervon kann nur abgeraten werden: die Gefahr Bienen zu quetschen oder gar die Brutwabe abzureißen ist zu groß.Ausserdem ist es zweifelhaft, dass Bienen in ihren über 35.000.000 Jahren Entwicklung einen Sinn für Umzüge entwickelt haben...

  • Bei einer Aufstellung von mehr als 4-5 km kann das Flugloch direkt geöffnet werden, da die Bienen nicht zurückfliegen werden. Wie gesagt,  haben wir mit der Zwangspause im Keller gute Erfahrung gemacht; einen Schaden richtet man damit - wie auch mit der zusätzlichen Fütterung - nicht an. 

  • Es macht Sinn, sehr genau nach der Königin zu suchen. Ist sie auf einer der Waben gesehen worden, die im Volk verbleiben? Prima! Wenn nur die Brutwabe des Ablegers kontrolliert wurde, besteht eine geringe Chance, dass die Königin übersehen wurde. Die gute Nachricht: das ist überhaupt kein Problem.

 

Der Ableger ist gemacht und wir müssen einfach warten. Ab dem Zeitpunkt der Trennung vom übrigen Volk passiert jedoch Faszinierendes! 

 

Man hört oft, das eine Brutwabe ein Volk erzeugt. Theoretisch ist das richtig, wir machen unsere Ableger jedoch immer mit zwei Brutwaben und damit mit mehr Bienen und mehr “Ausgangsmaterial”. Uns leuchtet nicht ein - außer aus recht egoistischen Gründen - warum man ein komplettes Volk auseinandernehmen und mit einem “Minimalstart” arbeiten sollte.

 

Die Bienen des Ablegers merken innerhalb der nächsten zwei Stunden, dass keine Königin im Volk ist, das Volk also weisellos ist. Hören kann man das durch ein aufgeregtes, hohes Summen im Ablegerkasten.

Bienen verfügen jedoch über eine ausgeklügelte Überlebensstrategie: sie machen sich einfach eine neue Königin! Ein paar der gestifteten Zellen werden einfach in sogenannte Nachschaffungszellen verwandelt. Die Bienen versorgen in den Nachschaffungszellen die Stifte/Maden mit Gelee Royal - dem Stoff aus dem die Königinnen gemacht werden, und ziehen sich so eine neue Königin heran.

Regel: 3-5-8

Ab dem Zeitpunkt der Entnahme gilt die einfache Regel “3-5-8 und die Königin ist gemacht”. Das bedeutet

 

  • 3 Tage als Stift

  • 5 Tage als Made und

  • 8 Tage verdeckelt in der Nachschaffungszelle.

 

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: entweder lasse ich die Bienen für die nächsten ca. 24-30 Tage in Frieden und überlasse der Natur ihren Lauf, oder ich sehe nach 8 Tagen nach und entferne alle Nachschaffungszellen bis auf 1 oder 2 Stück. Vorteil der letzteren Methode ist, dass ich sicher weiß, dass die Bienen Nachschaffungszellen angelegt haben.

 

Und was passiert, wenn ich aus Versehen die Königin in den Ablegerkasten gesetzt habe? Nun starten die Bienen im Spendervolk das Notprogramm und legen Nachschaffungszellen an. Indizien dafür sind entspannte Bienen und keine Nachschaffungszellen im Ablegerkasten. 

 

Befinden sich mehrere Nachschaffungszellen im Volk, kann man beim in der Phase des Schlüpfens das sogenannte “Tüten” und “Tröten” hören. Die erstgeschlüpfte Königin gibt mit dem Tüten ein Signal, auf das die anderen Königinnen mit einem Tröten antworten. Die Königin weiß nun, wo die Konkurrentinnen sich befinden und sticht diese ab. Aus unserer Sicht brutal, für die Bienen aber überlebenswichtig: eine Königin hält das noch kleine Volk zusammen, mehrere würden es zerreißen. 

 

16 Tage nach der Ablegerbildung ist die Königin also geschlüpft und wird nach ca. 6 Tagen auf ihren Begattungsflug gehen. Nach erfolgreichem Begattungsflug wird sie nach ca. weiteren 6-8 Tagen die ersten Stifte setzen. 

 

Nach frühestens 24 Tagen, d.h. wenn alle Brut geschlüpft ist, kann eine Varroabehandlung durchgeführt werden, denn nun kann man die Varroamilben effektiv bekämpfen - sie können sich schließlich nicht in verdeckelten Zellen verstecken. 

 

Wir geben dem Ableger immer mind. 35 Tage Zeit, bis wir ihn in die eigentliche Beute umziehen. Nun gilt es, durch die Gabe von Brutwaben das Volk aufzubauen und auf eine Volksstärke zu bringen, die für den Winter passt. Auch ein Ableger kann im ersten Jahr durchaus eine gute Honigleistung bringen, doch das ist, wie immer bei BienenWerk, nicht der Hauptfokus.

Ablegerkasten nach dem Öffnen des Fluglochs und mit Zweig als Hindernis.
Eine Brutwabe nach 8 Tagen - die Nachschaffungszellen sind deutlich zu erkennen.
 
Einfach mal reinhören: Bienen ca. 2 Stunden nach der Ablegerbildung!
(Falls ihr Probleme beim öffnen habt: https://youtu.be/vcmbD7vlNx0)